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Anton

3 Responses

  1. Bella sagt:

    Anton läuft. Eigentlich kann man es schon nicht mehr als laufen bezeichnen, es ist eher rennen. Anton ist 12, schmächtig gebaut. Seine Klassenkammeraden hänseln ihn immer, er sei so zart. Deshalb darf er auch nicht mit in den Basketballverein. Unteranderem deshalb rennt Anton, er ist wie ein Schiff ohne Anker.
    Seine Segel sind immer gespannt vom Wind, für ihn gibt es keine Windstille.
    Mit seinem inneren, tobendem Sturm geht es durch den Wald, die Luft treibt ihm Tränen in die Augen, die Landschaft verschwimmt.
    Oben am alten Joch angekommen, legt er sich behutsam in die Wiese.
    Er will die schönen Blumen nicht knicken, keinen einzigen Halm.
    Es gelingt ihm nicht.
    Seine Mama hat ihm immer die Namen der Blumen genannt:
    Maiglöckchen
    Alpenveilchen
    Distel
    und Taubnessel.
    Er hat ihr nicht glauben wollen, das die kleinen Vertreter der Brennessel nicht stechen. Er erinnert sich gut an die kleinen Quaddeln auf seinen Armen und an den Beinen.
    Nun berührt er die feinen, winzigen Härchen, welche jedes Blatt zieren.
    Kein Stich, nur ein sanftes unbeschreibbares Gefühl.

  2. Sabine sagt:

    Anton ist jetzt ganz glücklich. Der herrliche Duft der Wiese, die summenden Insekten, das warme Licht auf den geschlossenen Augen, es ist überwältigend schön. Irgendwann muss er eingeschlafen sein. Als er wieder aufwacht ist es schon dunkel. Eine zarte Mondsichel steht über dem Horizont und direkt über sich sieht er das Sommerdreieck. Ganz in der Nähe ruft ein Käuzchen, ansonsten ist es völlig still.

  3. Bella sagt:

    Antons‘s Opa hat erzählt, dass alle Menschen, wenn sie sterben zu Sternen werden. Und die, welche am hellsten am Himmelszelt leuchten, sind gerade erst von der Erde gegangen.
    Der Stern seiner Mama leuchtet bestimmt nicht mehr so hell.
    Ob Onkel Samarius ihn schon vermisst?
    Anton wird bewusst, das er sich nicht einmal bei Tante Lisbeth abgemeldet hat.
    Letztendlich ist es ihm auch egal, denn gerade könnten die Sterne nicht näher sein.
    Und so schaut Anton weiter in den dunklen Himmel, mit leuchtenden Punkten, bis sie zum greifen nah sind.

Schreib‘ die Geschichte weiter!

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